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Dolltopia 0004

Dolltopia

"Ha!" murmelte Eternia selbstbewußt vor sich hin. "Mein Job ist viel beeindruckender. Die Runde geht sicher an mich!"
Rasch folgte sie dem Pony die Treppe hinauf.

Sinistra, die hinter ihr gestanden hatte, seufzte innerlich. Sie wußte nicht recht, was sie tun sollte. Ihre Konkurrentin schien nicht nur reicher zu sein als sie, sie war auch selbstsicher und konnte sich gut präsentieren. Sinistra hingegen war eher scheu, und es fiel ihr auch ohne eine solche Hürde schon schwer genug, sich zum ersten Mal für eine Wohnung zu bewerben und Verhandlungen zu führen. Sie war es nicht gewohnt mit Fremden zu sprechen, während Eternia als Model sicher den ganzen Tag mit anderen zu tun hatte.

 

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Kurze Zeit später trabte Herr Indi in die Küche.
"So, nachdem Sie zwei nun auch das andere Schlafzimmer und den Hauswirtschaftsraum gesehen haben, kommen wir nun zum guten Schluß zur Küche. Ich denke, daß auch dieser Raum Ihnen gefallen wird!" Der Hengst sah sich demonstrativ um. "Die Einrichtung ist zwar ein wenig zusammengewürfelt, aber dafür ist bereits alles vorhanden und Sie können direkt loskochen! Die Geräte sind alle funktionstüchtig und teilweise noch recht neu!"

"Oh, Herr Indi! Da haben Sie wirklich nicht zuviel versprochen!" schwärmte Eternia bereits von der Tür aus.
Auch hier im Obergeschoß hatte die Blondine sich nicht mit Lob zurückgehalten. Selbst den Stauraum im Flur hatte sie begeistert in Augenschein genommen, und die alte Waschmaschine hätte sie fast umarmt.

 

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Im Flur lehnte Sinistra sich erschöpft an die Wand und atmete tief durch. "Wem mache ich hier eigentlich etwas vor?" fragte sie sich, "Eternia wird das Haus bekommen. Sie versteht sich so gut mit dem Vermieter, da kann ich nicht mithalten..." Die Frau zögerte, ob sie sich die Küche überhaupt anschauen sollte. Die Enttäuschung wäre nur um so größer, wenn sie als Mieterin abgelehnt würde.

"Hallo? Fräulein Sinistra? Wo bleiben Sie denn?" fragte der Vermieter vorsichtig. "Ist alles in Ordnung mit Ihnen? Ist Ihnen schlecht, oder sind Sie etwa wieder hingefallen?"

 

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Die Elementaristin riß sich zusammen. "Nein, nein, ich habe mich hier nur ein wenig länger umgeschaut! Ich komme schon!"

Sie nahm die Schultern zurück, ging in die Küche hinüber  - und schlug erstmal die Hände vor den Mund, um ihren entzückten Aufschrei zu unterdrücken. Ja, in der Küche herrschte ein wenig buntes Durcheinander und auch die Decke war - wieder einmal - renovierungsbedürftig. So wie es aussah hatten die Möbel schon mehrere Mieter begleitet und jeder hatte etwas hinzugefügt und versucht es zum Rest passend zu machen. Aber dennoch war sie für Sinistra ein Traum! Der Raum war sehr groß, fast so groß wie das Wohnzimmer, so daß sogar Platz für einen großen Tisch war. Es gab viel Stauraum, Arbeitsfläche und alle elektrischen Geräte waren da. Vom Fenster aus blickte man direkt in den schönen Stadtpark, was ein weiterer Vorteil war.

Eine Küche finanzieren und einbauen lassen zu müssen war Sinistras größte Sorge gewesen. Niemals hätte sie erwartet bei der ersten Besichtigung so viel Glück zu haben. Nur ein wenig Farbe und etwas Kochgeschirr, dann könnte sie hier leben. Wenn die Miete nicht zu teuer war. Und wenn da nicht...

"Wirklich ein krönender Abschluß! Da weiß man ja gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll! Und diese Aussicht erst! Herrlich!" Eternia holte kaum Luft, so sehr bemühte sie sich ihr Interesse an diesem Haus kundzutun.

 

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Sie betrachtete den Herd genauer und fand auch einen kleinen Schrank mit einer orangen Tür. "Ha ha, Sie müssen mir dieses Haus einfach vermieten, Herr Indi! Wo ich doch schon ein farblich passendes Shirt zur Küche trage! Das muß doch etwas bedeuten, oder nicht?"

So locker sie auch tat, im Inneren war Eternia nervös. Sie hatte am Abend zuvor noch Prospekte angeschaut und kannte die Preise selbst für günstige Küchen. Eine Gelegenheit wie diese würde nicht so schnell wieder kommen. Sie mußte dieses Haus haben! Gleichzeitig durfte es aber auch nicht zu viel kosten. Sie fürchtete, daß sie es mit dem Lob im Obergeschoß etwas übertrieb und damit dem Vermieter die Gelegenheit gab eine höhere Miete anzusetzen, doch sie mußte auch die andere Frau ausstechen und durfte daher nicht gleichgültig wirken. Wenn es doch nur nicht so schwer wäre die goldene Mitte für ihr Verhalten zu finden...

"Kochen Sie gerne, Eternia?" erkundigte sich der Vermieter höflich.
"Oh... äh..." Sie zögerte und überlegte, was sie am besten sagen sollte. "Als Model muß ich ja auf meine Figur achten, daher gibt es bei mir oft Rohkost."
"Also kochen Sie eher nicht so viel. Ach, wie schade, ich dachte mit der Küche könnte ich Ihnen eine Freude machen."
"Aber das tun Sie auch!" rief sie rasch, "Wirklich! Ich kann mir nichts entspannenderes vorstellen, als morgens mit einer Tasse Tee an diesem schönen Tisch zu sitzen und vor der Arbeit in den Park hinauszusehen. "

 

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Herr Indi wandte sich der anderen Frau zu. "Und wie steht es mit Ihnen, Fräulein Sinistra? Kochen Sie gerne?"
"Ähm, ich... ich backe gerne! Als Elementaristin muß ich auch oft Tränke brauen und Zutaten schneiden, da käme mir dieser viele Platz sehr gelegen." Sinistra bemühte sich sehr, etwas über die Küche zu sagen, auch wenn ihr eigentlich vor Begeisterung die Spucke wegblieb. Es war schwierig für sie, da sie elektrische Küchengeräte bislang nur aus dem Prospekt kannte und nicht genau wußte, wie sie funktionierten. Zu Hause in Yonar hatte sie in einem Kessel gekocht, den Ofen mit Holz befeuert und Zutaten im Keller auf Eis gelagert.
Einen Moment lang überlegte sie, ob eine neue Küche, deren Geräte mit Anleitungen geliefert wurden, nicht sogar hilfreicher für sie wäre... Auf keinen Fall wollte sie zugeben, keine Ahnung vom Leben in dieser Stadt zu haben.
"Hm. Dann darf ich wohl davon ausgehen, daß auch Sie die Ausstattung hier ausreichend finden."
"Aber ja, sie ist traumhaft!"

Der Vermieter ließ die beiden Frauen noch einige Minuten schweigend die Küche erkunden, ehe er sich räusperte.
"Nun denn, wir sollten wohl zum Abschluß kommen. Bitte setzen Sie beide sich doch, das ist gemütlicher."

 

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Nachdem beide Frauen Platz genommen hatten trabte Indi nachdenklich mehrmals von einer Wand zu anderen. "Sie beide haben nun das gesamte Haus gesehen. Inklusive dieser großen Wohnküche haben wir vier Zimmer, ein Bad, einen Hauswirtschaftsraum und Flure mit Stauraum. Das Haus ist teilmöbliert und bis auf einige Schönheitsreparaturen bezugsfertig", faßte er noch einmal zusammen. "Durch unsere Gespräche habe ich Sie beide ein wenig kennengelernt und denke, daß mein Erbe bei jeder von Ihnen in guten Händen wäre. Aber ehe wir über den Mietpreis reden wüßte ich gerne, ob denn eine von Ihnen überhaupt Interesse daran hat, es zu mieten?"
"Ja! Absolut!" rief Eternia und auch Sinistra sagte sofort: "Auf jeden Fall!"
"Hm", meinte der Hengst und rückte seine Brille zurecht. "Wenn Sie beide Interesse haben, dann haben wir wohl ein Problem, wie?"
Sinistras Handflächen wurden feucht und Eternia bemühte sich, nicht nervös mit dem Fuß zu wippen.

Indi trabte erneut zum Flur, drehte um, kam zum Kühlschrank zurück und wandte sich an die beiden jungen Frauen.
"Oder auch nicht. Ich habe mich entschieden. Sie bekommen das Haus."
"Uhm..." machte Sinistra verwirrt.
Eternia war weniger wortkarg. "Äh, wen von uns meinen Sie?"
"Na, ich meine Sie beide! Ich vermiete das Haus an Sie zwei zusammen, Fräulein Sinistra und Eternia."

"Moment mal!" fuhr die Blondine auf. Sie starrte kurz ihre Konkurrentin an, ehe sie den Blick wieder auf den Vermieter richtete. "Von einer Wohngemeinschaft war niemals die Rede! Ich habe Sinistra heute zum ersten Mal getroffen, wieso sollte ich mit ihr zusammenziehen?!"
Auch die Elementaristin räusperte sich unglücklich. "Es tut mir leid, wenn ich den Anschein erweckt haben sollte, daß ich in einer Wohngemeinschaft leben möchte, aber eigentlich wollte auch ich das Haus nur für mich alleine mieten..."

Indi nahm seine Brille ab, um sie zu putzen. "Na, das ist aber schade", meinte er beiläufig, "denn ich vermiete das Haus nur an sie beide zusammen oder an gar keine."
"Das ist versuchte Erpressung!" Empört schlug Eternia mit der Handfläche auf den Tisch. "Dafür sollten Sie aber besser eine verdammt gute Erklärung haben!"
"Oh, die habe ich." Gelassen setzte der Hengst die Brille wieder auf.

 

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Kommentare   

 
0 #1 mjkj 2015-09-17 17:21
*lol* da bin ich aber gespannt :D

Ja, ja, die werden noch vieeel Spaß miteinander haben... :P
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+1 #2 Eph 2015-09-17 20:48
Du alter Gedankenleser hast ja vorher schon vorausgesagt was passiert. Gewieeeeeft! 8)
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0 #3 mjkj 2015-09-18 08:49
zitiere Eph:
Du alter Gedankenleser hast ja vorher schon vorausgesagt was passiert. Gewieeeeeft! 8)

Oh, das hast Du gemeint :P
...nur gut geraten ^_^
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